Mo 19 Apr 2010
Was kommt als nächstes ?
Thema Social NetworksSchlagwörter: Dienst, Facebook, Jahr, Twitter, User,
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Twitter wächst wie verrückt und ist definitiv im Mainsteam angekommen. Facebook nimmt anderen Social Networks dramatisch Marktanteile ab. Schön für diese Dienste, aber vermutlich erleben wir bei beiden gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Bald könnte es bergab gehen.
In der Entwicklung von Online-Communities über die Jahre hinweg gibt es nur eine Konstante: Ständiger Wandel, das Absterben etablierter Dienste zugunsten neuer, besserer Angebote. Die vielzitierten Netzwerke haben bisher noch keine Community vor dem Abstieg nach einigen Jahren des Erfolgs bewahrt.
Wenn ich mir heute die Entwicklung von Twitter und Facebook ansehe, habe ich das Gefühl, dass wir eine ähnliche Geschichte erleben, nur auf deutlich grösserer Skala. SixDegrees.com hatte zu den besten Zeiten eine Million User, Facebook hat jetzt ca. 400 Millionen. Natürlich ist das eine ganz andere Dimension, aber ist Facebook deswegen wirklich sicherer vor dem Abstieg? Schliesslich ist niemand an allen ca. 400 Millionen Usern interessiert, sondern nur an den gut 120 Leuten, mit denen der durchschnittliche User online “befreundet” ist. Natürlich ist Facebook noch mit Abstand die stärkste Social-Networking-Plattform, aber kriegt man nicht langsam das Gefühl, dass ein Sättigungspunkt erreicht ist?
Paradoxerweise hat Facebook mit seinem gerade erfolgten Homepage-Redesign seinen bisherigen Vorteil der Übersichtlichkeit aufgegeben — zugunsten eines offensichtlich von Twitter inspirierten endlosen Stroms an Belanglosigkeiten. Von den noch vor kurzem als “revolutionäre Web-Plattform” gehypten Facebook App. spricht hingegen kaum noch jemand. Facebook hat offensichtlich gemerkt, dass sich die User so langsam zu langweilen beginnen und versucht nun mit dieser Twitterisierung dagegenzuhalten. Aber es könnte durchaus passieren — und Zeichen dafür gibt es genug –, dass sich Mainstream-User durch diese Veränderungen vertstört fühlen und sich lieber eine andere Online-Heimat suchen.
Könnte das Twitter sein? Wohl kaum. Die aktuelle Medienhysterie um Twitter und die Welle von Mainstream-Prominenten, die plötzlich einen Twitter-Account haben, deutet stark auf den Höhepunkt des Hypes rund um den rasant wachsenden Microblogging-Dienst hin. Aber Twitter ist strukturell noch gefährdeter als Facebook, weil es schon immer ungeordnet und chaotisch war. Es droht unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen, weil das Verhältnis an unnützem Rauschen zur nützlichen Information langsam unverhältnismässig wird. Selbst mit der praktischen Twitter Suche findet man zu populären Themen kaum noch wirklich interessante Tweets. Unter all den Roboter-generierten Messages und sinnlosen Retweets (wer hatte nur diese dumme Idee?) sind die wenigen interessanten Beiträge kaum noch zu finden.
Natürlich kann es sein, dass sowohl Facebook als auch Twitter strategisch brillant auf diese Herausforderung antworten und es schaffen, für alle Zielgruppen attraktiv zu bleiben. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sie das schaffen. Mit steigenden Usermassen laufen die Veränderungsprozesse langsamer, aber es ist vermutlich nur eine Frage von wenigen Jahren, bis beide Dienste an der Spitze abgelöst werden. Myspace sah vor zwei Jahren auch noch fast unbesiegbar aus und wurde trotzdem neulich von Facebook überholt.
Darum stellt sich natürlich die Frage: Was ist das nächste heisse Ding im sozialen Internet? Zum Glück für Facebook und Twitter gibt es darauf noch keine eindeutige Antwort. SecondLife ist zu kompliziert. FriendFeed ist den meisten Leuten in der heutigen Form vermutlich zu geekig. Die grossen Internet-Player (Google, Microsoft, Yahoo) kommen mit ihren diversen Sozial-Produkten nicht richtig in die Gänge. Ning und andere offene Plattformen haben gute Ansätze, sind aber arg fragmentiert.
Fast sicher kann man zwei Dinge über den nächsten breit erfolgreichen Dienst sagen: 1) Er wird sehr einfach zu benutzen sein, weil die Masse der Mainstream-User keine Komplexität mag. Und 2) wird die mobile Komponente stark sein. Wer da aber die magische Kombination findet, ist völlig offen.
Ganz klar: Es öffnet sich wieder eine Lücke für Startups, die den nächsten grossen Treffer landen wollen.











