Was ist Spam?

Unter der Markenbezeichnung Spam wird im angelsächsischen Raum Frühstücksfleisch in Dosen verkauft. Im Internet hat sich Spam dagegen als netzumgangssprachlicher Begriff für unerwünschte, meistens kommerzielle Massen-E-Mail eingebürgert. Im Hintergrund steht ein Sketch der englischen Komiker von Monty Python, in dem das besagte Dosenfleisch eine tragende Rolle spielt…

Nur Werbung im Briefkasten…

Die Situation ist aus dem RL (Netslang: Real Life) vertraut: Der Briefkasten quillt über mit Werbebriefen von Absendern, bei denen man sich kaum erklären kann, wie sie an die eigene Adresse gelangt sind. Als Genugtuung bleibt die Gewißheit, daß die betreffende Firma Kosten hatte, um ihre Werbung zu drucken und zustellen zu lassen. Das stellt halbwegs sicher, daß sich die Belästigung in Grenzen hält.

Wir haben uns in den letzten Jahren an elektronische Post (E-Mail) gewöhnt. Sie ist wesentlich schneller als die Briefpost, weniger förmlich und mit geringen Kosten verbunden. Auch die Geschäftswelt hat das neue Medium für sich entdeckt. Dagegen wäre eigentlich wenig zu sagen, hätten nicht die prinzipiellen Unterschiede zwischen Briefpost und E-Mail zu den hier zu beschreibenden Auswüchsen geführt.

Es ist technisch ohne Probleme möglich, eine einzige E-Mail an eine fast unbeschränkte Zahl von Empfängern abzuschicken. Die Vervielfältigung der Botschaft wird vom Mailserver vorgenommen, der sie dann jedem Adressaten einzeln zustellt. Diese Tatsache machen sich viele kleine Firmen oder Privatpersonen (bisher vor allem in den USA) zunutze, um einem breiten, zufällig ausgewählten Personenkreis Angebote zuzustellen, die vom Golfballtest über Pornoserver bis hin zu Haarwuchsmitteln und Kreditkarten alle Bereiche abdecken. Die Adressen der Empfänger werden aus dem Usenet (Diskussionsgruppen u.a. im Internet) und dem WWW (World Wide Web, das grafische Informationssystem) zusammengefischt: Alles, was ein ‘@’ enthält, ist eine potentielle Mailadresse. Ob diese korrekt ist oder ob der Empfänger auch nur das geringste Interesse am Angebot hat, ist bei der Menge der versandten Mails völlig unerheblich.

Die rechtliche Situation

Unverlangte Werbung per E-Mail (oder z. B. per Fax) ist nach überwiegender Rechtsauffassung in Deutschland illegal, wenn keine regelmäßige Geschäftsbeziehung besteht oder kein vorheriges ausdrückliches Einverständnis vorliegt. Im Dezember 2001 ist diese Form der Werbung auch von der EU als rechtswidrig eingestuft worden. Die Empfänger von Spam-Mail könnten den Absender zur Unterlassung auffordern oder ihn durch einen Anwalt abmahnen lassen. Doch dies hilft wenig, wenn der Verursacher aufgrund der gefälschten Absende-Adressen nicht ausfindig gemacht werden kann.

Die Spam-Industrie

Anscheinend führen diese agressiven Marketingtechniken zumindestens teilweise zum Erfolg, denn die Belästigung durch solche unerwünschten E-Mails hat in den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Oft findet man im Maileingang schon mehr Spams als persönliche E-Mails. In den USA hat sich eine spezialisierte Industrie entwickelt, die die technische Abwicklung des Spamming inklusive des Abfangens der Folgen für ihre Kunden übernimmt bzw. diese mit Adressen versorgt. Die bekannteste Firma ist CyberPromo von Sanford ,,Spamford” Wallace; sie tritt unter der Domain ,,savetrees.com” und noch vielen anderen auf, um das Ausfiltern zu erschweren.Gefälschte Adressen

Um zu verstehen, wie es zu offensichtlich falschen Empfänger- und Absender-Adressen kommen kann, muss man wissen, wie eine E-Mail aufgebaut ist. Man kann sie mit einem Brief vergleichen. Es gibt einen Umschlag und einen Inhalt. Der Umschlag muss natürlich eine korrekte Ziel-Adresse enthalten, sonst wäre die Zustellung der E-Mail nicht möglich. Üblicherweise schreiben die Mail-Systeme diese Adresse neben weiteren Adressangaben auch (korrekt) in den Briefkopf des Inhaltes. Das ist jedoch nicht zwingend erforderlich, da dieser Briefkopf für den Versand irrelevant ist. Die Zustellung erfolgt allein aufgrund der Angabe auf dem Briefumschlag. In der Mailbox des Benutzers wird lediglich der Inhalt abgelegt, der Briefumschlag wird vom Mail-System entfernt.

Um die Adress-Informationen bezüglich der Mail anzeigen zu können, ist das Mail-Programm auf die Angaben im Briefkopf angewiesen, was dann zu Irritationen führen kann. Es ist daher möglich, dass ein Benutzer eine E-Mail erhält, in der seine Mail-Adresse nicht als Empfänger angegeben ist.